«Gastrosommer» - FDP fordert kreative Lösungen für die Stadtberner Gastronomie

Diverse Grossveranstaltungen wurden bereits abgesagt, weitere Absagen werden folgen. Zeitgleich wird immer klarer, dass internationale Ferienreisen in diesem Sommer nicht möglich sein werden. Entsprechend wird der Druck auf die Schweizer Städte zunehmen. Das lokale Gastgewerbe spürt die Folgen des Lockdowns so deutlich wie kaum eine andere Branche. Restaurants, Bars und Clubs waren die ersten, welche schliessen mussten und werden mitunter zu den letzten gehören, welche ihren Betrieb wieder im normalen Rahmen werden führen können. Aus diesem Grund, fordert die FDP/jf Fraktion einen «Gastrosommer», also eine unbürokratische und liberale Bewilligung von Gastroprojekten im ganzen Stadtgebiet. Um zu vermeiden, dass sich zu viele Leute in der Innenstadt und in geschlossenen Räumen aufhalten, müssen Projekte in den Aussenquartieren und auf freien Flächen ermöglicht werden. Von dieser unbürokratischen Bewilligungspraxis sollen insbesondere Gastronomen profitieren, welche bereits in der Stadt Bern tätig sind und von den bisherigen Einschränkungen besonders betroffen waren.

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Statt den traditionellen dichtgedrängten Wochenmärkten hat die Stadt Bern vor einer Woche unzählige dezentrale Marktstand-Plätze in den Aussenquartieren bewilligt. Dieses lobenswerte und unbürokratische Vorgehen soll nun auch für Gastronomen in der Stadt Bern zur Anwendung kommen, fordert die Fraktion der FDP/jf. «Wenn Gastronomen auf Freiflächen wie bspw. dem Lorrainepärkli diesen Sommer ein zusätzliches Angebot bieten können, können einerseits Abstandsregeln eingehalten werden und andererseits können Umsätze generiert werden, welche nach den Einschränkungen der letzten Wochen und den Absagen von Grossevents wie der Fussball-EM bitter nötig sind», erklärt Stadtrat Tom Berger die Forderung der Fraktion FDP/jf.

Um einen solchen «Gastrosommer» in der Stadt Bern zu ermöglichen, fordert die Fraktion FDP/jf den Gemeinderat und das zuständige Polizeiinspektorat auf, zusammen mit dem Regierungstatthalteramt Lösungen zu suchen, mit welchen diesen Sommer Bewilligungen möglichst unbürokratisch erteilt werden können. Um grosse Menschenansammlungen zu vermeiden, müssen die Gastroaktivitäten auf die ganze Stadt verteilt werden. «Die Menschen werden so oder so ein Bedürfnis haben, im Sommer nach draussen zu gehen und mit Freunden in Gastrobetrieben einen Abend zu verbringen. Fallen nun all die Grossverantaltungen wie Festivals oder die Fussball-EM weg, besteht die Gefahr, dass sich die Bernerinnen und Berner in den bestehenden Lokalitäten auf zu engem Raum aufhalten», so Tom Berger. Aber es sei wichtig, dass bei den zu schaffenden Zusatzangeboten vor allem Gastronomen zum Zug kommen, welche bereits in der Stadt Bern tätig sind, zumal diese die lokalen Begebenheiten kennen und über die notwendigen Kompetenzen, Infrastruktur und Personal verfügen. Die jeweils geltenden Sicherheitsregeln müssen selbstverständlich jederzeit eingehalten werden.

Auch bezüglich Öffnungszeiten fordert die Fraktion FDP/jf für diesen Sommer eine maximale Liberalisierung. Hierzu passt die kürzlich in einer Schweizer Tageszeitung geäusserte Aussage des bekannten Journalisten und Unternehmers Tyler Brûlé: «Wenn die Schweizer Städte ihre Gastronomie revitalisieren und dem einheimischen Tourismus neue Impulse geben wollen, sollten sie das vielbeschworene mediterrane Lebensgefühl endlich wahr machen und die Restaurants, Terrassen und Bars länger offen halten.» (NZZ am Sonntag, 26. April 2020). Die Stadt Bern könnte so auch einen im Stadtparlament hängigen interfraktionellen Vorstoss berücksichtigen, welcher die Ausweitung der «mediterranen Nächte» auf die Quartiere der Bundesstadt fordert.